Qualität im Neuland

Warum werden Geschichtswissenschalfter in einigen Hundert Jahren vom Beginn des Big-Data-Zeitalters sprechen, wenn sie unsere Epoche betrachten.

Überall im Netz ganz egal ob auf LinkedIn, Facebook oder selbst bei Google & Amazon direkt. Qualität und damit auch der Anspruch an den Inhalt, der abgerufen wird bekommt immer mehr Bedeutung zugesprochen. Persönlich mag ich diesen über Jahre erlebten Fortschritt in Bezug auf die tatsächliche User Experience (UX), auch oder gerade weil es sehr mit Ausdauer und auch Learnings (ja man lernt auch selbst nie aus) verbunden ist.

Warum der ganze Spaß für mich auch einen faden Beigeschmack hat, sollte sich im Verlauf des Artikels heraus kristallisieren.

Wir verbessern das Benutzererlebnis

Die Digitalisierung hält an und hat dank COVID-19 einen wahren Aufschwung erhalten, aber auch schon vor Zeiten der Pandemie, wurde beispielsweise bei Facebook schon desöfteren eine Adaptierung am Algorithmus bzgl. der Auslierferungsplätze am Newsfeed vorgenommen und auch bei Google kennt man die stetigen Updates. Verbesserungen für das Benutzererlebnis sozusagen oder so ähnlich wird es am Ende genannt.

Und ein Geheimnis am Rande: Das Benutzererlebnis ist >> IMMER << wichtig. Ich habe diese reißerische Überschrift absichtlich gewählt.

Klickköder sterben bei Google

Im neusten Update hat Google angekündigt künftig Click & Bait, also Anzeigen die mittels reißerischen Überschriften zum Klick triggern, aus dem Werbenetzwerk komplett zu verbannen. Das Verbot tritt mit Anfang Juli 2020 ist Kraft. Dazu zählen folgende Inhalte:

  • Behauptungen, Skandale oder reißerische Informationen zu einem Produkt oder eine Dienstleistung preiszugeben
  • typische Formulierungen wie „Das glauben Sie nie“, die zum Klicken animieren, um den Kontext einer Anzeige zu verstehen
  • Bewerben von Produkten oder Dienstleistungen mit Vorher-Nachher-Fotos, die für eine deutliche körperliche Veränderung werben, Fotos von deutlich veränderten und vergrößerten Körperteilen, Polizeifotos oder Fotos von echte Unfällen und Katastrophen.
  • Anzeigen, die Nutzer zum Kauf oder Abonnement drängen, um sich vor Schaden zu schützen
  • Anzeigen, die Produkte und Dienstleistungen mit der Darstellung von Leid, Schmerz, Angst oder Schock bewerben.

Immerhin nutzt Google mehr als 200 Ranking-Faktoren, um die jeweiligen Search Engine Result Pages zu genieren und die Seiten im Vorfeld zu indexieren mittels dem Google-Crawler. Nicht alle Faktoren sind im Detail bekannt, ist ein wenig wie bei Coca Cola und deren geheime Formel.

Das freie Internet

Bin schon gespannt ob es auch nach Zeiten von COVID-19 ganz am Zeichen des Mooreschen Gesetzes (auch wenn es eigentlich gar kein Gesetz ist) weiter geht und welche spannende Entwicklung wir gernerell im Internet, wie wir es kennen, noch miterleben, wie weit wir sich vom freien Netz entfernen werden und ab wann wir in der entgültigen Zensur landen - ähnlich China.

So positiv man die neusten Ereignisse (Stichwort Klickköder) auch sehen möchte, es bleibt ein fader Beigeschmack von Zensur zumindest für mich. Wenn Software-Giganten anfangen Inhalte zu kontrollieren und ggf. gar nicht erst zu veröffentlichen, wer kontrolliert dann eigentlich die Big Player, so gut man diese Entwicklung auch am ersten Blick finden mag.

Ganz so wie damals Brautigan, Richard 1995 wird es wohl nicht mehr werden:

Ich stelle mir gern (und je eher, desto besser) eine kybernetische Wiese vor, auf welcher Lebewesen und Computer in sich gegenseitig programmierender Harmonie zusammen leben wie pures Wasser, wenn es den klaren Himmel berührt.

Das neue Internet erinnert ein wenig an Facebook

Von 2009 bis 2012 hatte sich das Unternehmen auferlegt, alle Änderungen der Geschäftsbedingungen, zu denen mehr als 7.000 Kommentare abgegeben wurden, den Usern zur Abstimmung vorzuleben, sofern eine Beteiligung von 30% aller registierten Mitglieder erreicht werden sollte. In der Realität und somit Praxis blieb diese Regel allerdings ohne Folgen, denn das Quorum wurde nie erreicht. Kein Wunder: Facebook unternahm keinerlei Anstrengungen diesbzgl. die Beteiligung zu erhöhen.

Max Schrems hat das pointiert auf den Punkt gebracht: "Erst wird groß die Nutzerbeteiligung versprochen, dann wird zur Sicherheit die Wahlurne versteckt."

Browser in Browser

Das neue Internet oder vielmehr die BigTec-Firmen versuchen immer mehr ein Internet im Browser zu erschaffen, sprich Alles direkt über die Plattform aufzurufen, sprich das Verlassen der Facebook-Plattform ist weitgehend nicht mehr notwendig.

Du kannst seitdem neusten Update, auf Facebook sogar direkt shoppen auch wenn die Funktion noch eher selten genutzt wird.

Unternehmen haben schon seit Jahren die Möglichkeit Ihre Visitenkarte als Unternehmenspage zu erstellen und für die Zwischendurch-Spieler gibt es auch diesen Part, direkt auf Facebook ohne es verlassen zu müssen.

Zielgruppen die nicht im eigenen Netzwerk angesprochen werden können

Zielgruppen die man über die eigene Softwarepalttform nicht erreicht werden mit Zukauf von weitverbreiteden Servicen geankert. Oft kommen auch sogenannte Pixel zum Einsatz, um die Aktivitäten der Benutzer auf anderen Seiten in Erfahrung zu bringen und in die eigene Daten-Management-Plattform zu laden oder beispielsweise die Zielgruppe (Audience) an der Facebook-Plattform mit Werbung zu erreichen.

Der Kauf von Giphy

So hat Facebook erst vor kurzer Zeit Giphy aufgekauft für zarte 400 Millionen Euro. Sicher nicht wegen der vielen lustigen animierten Bildchen, eher wegen der Verbreitung der API (Programmierschnittstelle für andere Dienste) und Zugriffe aus fremden Netzwerken, so können gezielt Daten der jüngeren Zielgruppe gesammelt werden, die Facebook - Instagram und WhatsApp den Rücken gekehrt haben.

Nach Bekanntwerden der Übernahme am 16.05.2020 haben 3 US-Senatoren bereits wegen möglicher Wettbewerbsverzerrung ihr Bedenken bekanntgegeben. Der republikanische Santor Josh Hawley sagte etwa, Facebook wolle mit dem Schritt an noch mehr Daten von uns herankommen und solange es kartellrechtliche Untersuchungen gebe, solle der Konzern keine Übernahmen tätigen.

FunFact: 1987 haben GIFs das Licht der Welt erblickt und am 27.10.1994 ging das erste Online-Banner, also die erste Banner-Werbung online. Beauftragt wurde der Werbefachmann Joe McCambley vom Telekommunikationskonzern AT&T.

Es geht um Personal based Advertising

Darauf gehe ich in folgenden Beitrag näher darauf ein: People based Advertising, da der Inhalt den Artikel sonst komplett sprengen würde.

Kennst Du schon den Dwell von LinkedIn

Bei Linkedin gab es vor einiger Zeit (Ende Mai 2020) die Anpassung, dass die Verweildauer (dwell time) der User auch ohne Interaktion mit dem Beitrag, einen erheblichen MehrWert für die Verbreitung / Reichweite der Posts beiträgt, als zuvor. Man geht quasi davon aus, je länger ein User den Beitrag auf [mehr anzeigen] aufgeklappt hat oder je länger der Post im Frame hängt, umso wertiger der Inhalt. Ich habe meine Worte zur Dwell Time bewusst kurz gehalten, da es bereits unzählige Beiträge dazu gibt.

Mehr dazu hat Ritchie für euch zusammengefasst auf: LinkedIn Dwell-Time Update: Der neue Algorithmus (Juni 2020), die Verweildauer & 1 Experiment

Mehr dazu aus dem offizielen Dev-Blog von LinkedIn (EN): Understanding dwell time to improve LinkedIn feed ranking

Natürlich verwendet LinkedIn noch eine Vielzahl an anderen Indikatoren, um den ContentScore (den Inhalt-Wert) zu berechnen. Je höher der Wert des Contentscore, umso mehr Aufschwung und Reichweite wird unser Beitrag / Post erhalten, achte hier bitte auch auf Reichweite, die für dich sinnvoll ist. Reichweite die ins Leere geht, sprich an die falschen Personen ausgespielt wird kann auf lange Sicht auch einen Einbruch deiner Community-Qualität bedeuten.

Katz & Maus - coole Hacks

Google hat allein 2014 DREIZEHN große Updates durchgezogen, so viele wie davor noch nie. Es ist natürlich auch immer ein bisschen ein Spiel, wie bei Katz und Maus. Der Software- / Dienstanbieter verbessert seinen Algorithmus, die vielgenannten Experten (hat Ambition für das Unwort 2020) und Vielnutzer bringen die neusten Änderungen in Erfahrung und adaptieren dahingehend bspw. Verhaltensweisen oder technische Bezugspunkte um wieder schnelle Performance zu erreichen.

Dann erscheint wieder ein neuer Hack, quasi ein Trick den Algorithmus zu manipulieren und wird wieder ausgenutzt, bis ein weiteres Update den Füchsen - die Hennen vor der Nase wegfängt. Schnelle Performance ist zwar nicht immer schlecht, man sollte sich allerdings sehr gut überlegen, wie weit man selbst geht und vorallem wertigen Content pushen.

Vergleich mit Computer-Spielen - Warden von Blizzard

Ähnliche Prinzipe und automatische Erkennungssoftware gibt es bspw. auch bei Computer Spielen, eine der berühmtesten Softwareschmieden im Gaming Bereich Blizzard Entertainment verwendet dazu Warden.

Dem Warden, werden während der Ausführung des Spiels sowohl Arbeitsspeicher als auch andere CPU-Prozesse kontrolliert und nach Mustern bekannter Cheat-Programme durchsucht. Außerdem werden Chats zwischen den Spielern sowie der gesamte Spielverlauf protokolliert.

Deathzone - ShadowPosts

Wer es übertreibt landet am Ende in der DeathZone, auf der BlackList (Seite inkl. kompletter Verzeichnis-Struktur wird aus der Suchmaschine gesperrt), schreibt Shadow-Posts (Beiträge die einfach nicht mehr im Netzwerk verteilt werden, obwohl veröffentlicht) oder der Account wird gesperrt.

Nachdem man immer davon ausgehen kann das ein Hack immer nur eine gewisse Zeit funktioniert, sollte man also sein Hauptaugenmerk auf starken Content legen und wenn man schon Hacks für Reichweiten zur Anwendung bringt, auch Content pushen, der ohnehin viel Reichweite erhält - hierzu eigenen sich einzelne A/B Tests in kleinen Zielgruppen-Anteilen.

Was ist starker Content?

Für mich ist starker Inhalt, Inhalt bei dennen Leser lernen oder emotional berührt werden. Auf lange Sicht sollte man also Inhalte für Menschen schreiben und nicht für den Algorithmus.

Zum Thema Content Creation für den Algorithmus habe ich bereits in der Vergangenheit einen etwas ausführlicheren Beitrag gepostet: Content Creation für den Algorithmus - Captain wir brauchen noch ein Keyword!

Immerhin ist es unser Ziel Menschen zu erreichen. Starker Content kann und darf natürlich auch lustig und provokant sein plus wenn sonst zum großen Teil anspruchsvolle Inhalte geteilt (bezogen auch die Rechenleistung im Kopf) werden, darf auch gerne einmal ein Katzenbild zur Auflockerung genutzt werden, aber eben nur zum auflockern.

Wer allerdings nur sinnfreien Inhalt postet wird es sehr schwer haben eine aktive und stetig wachsende Community aufzubauen.

Community-Building das Nonplusultra

Dabei ist es ganz egal ob man ein Computer-Spiel auf Twitch streamt und durch seine eigene Persönlichkeit das Publikum bestens unterhaltet und damit emotional berührt oder im eigenen Fachbereich wissenschaftliche Artikel veröffentlicht, es geht immer um den Mehrwert der eigenen Community und keine Community ist ident mit einer Anderen.

Community-Building ist meiner Meinung nach die Königsdisziplin im Content-Marketing, als auch Growth Hacking. Eine gute und stark aufgebaute Community kann Berge versetzen wird aktiv mit deinen Inhalten interagieren und wird dir helfen zu wachsen. Wenn SEO ein Marathon und kein Sprint ist, dann ist Content-Marketing ein Trail Run.

Authentizität

Sei kein Lowbob (Gamingsprache für Vogel) und schau auf deine Community, sei du selbst. Und mit sei Du selbst, meine ich, sei authentisch und so wie Du eben bist. Verstelle dich nicht, deine Community wird es sonst irgendwann merken.

don't be shy, say hi.

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